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Hinterglas


Bei der Errichtung des Carl Hermann-Hauses, an der Carl und Elsa Hermann maßgeblich auch persönlich beteiligt sind, verunglückt der Künstler. Er stürzt beim Bau der Balkonbalustrade aus 6 m Höhe rücklings in eine Scheibtruhe ab und zieht sich dabei – bloß – eine Quetschung von 3 Wirbeln zu. Hermann ist für Monate in einen Gipspanzer gesperrt und zunächst stark bewegungs- eingeschränkt; später ignoriert er die Verletzung und nimmt die künstlerische Tätigkeit wieder auf – allerdings in veränderter Form; er wendet sich einer neuen Seite seines Schaffens, der Hinterglasmalerei, durchaus zunächst im Sinne der aus dem oberösterreichischen Sandl stammenden Gestaltungstradition, zu. Dabei entstehen ein Kontinuum an Heiligenbildern, ein Kreuzweg, aber auch profane Darstellungen (4 Jahreszeiten). Carl Hermann entwickelt seine künstlerische Tätigkeit auf diesem Gebiet stark weiter, letztlich arbeitet er in abstrahiert reduziertem Stil an Hinterglasbildern.

Carl Hermann

Die kleinen, vielfach quadratischen Hinterglasbilder mit sakralen Motiven (Kreuzweg) zeugen von einer melancholischen Schlichtheit, einer von Hermann intendierten puristischen Komposition. Der Künstler arbeitet mit geometrisch figuraler Darstellung und lässt ablenkende Details beiseite.

Carl Hermann

Die expressionistische Wirkung der farblichen Akzentuierung in den Figuren vor schlichtem, goldfarbenem Hintergrund hebt Hermanns Ausdruckskraft (Hausaltar, Hinterglaswerke). Die im kontemporären Hinterglaswerk des Künstlers vorhandene Reduktion spiegelt sich in den Glasfensterarbeiten wieder; Hermann erzielt vor monochrom transparenter Farblichkeit mit in Tuschpinselstrich dargestellten Figuren expressive Dichte (12 Apostel, Glasfenster).

Carl Hermann