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Werk – Sonderstellung


Carl Hermann geht davon aus, dass jede landschaftliche Einheit Menschen in ihrem Bereich beeinflusst, besonders den Künstler; dazu kommt, dass das Waldviertel – aus seiner Sicht – keine prägende Künstlerlandschaft im eigentlichen Sinn ist, dennoch aber anregt. Offenbar auch ihn selbst – stehen doch seine Arbeiten, was Granit anlangt, in enger Beziehung mit dem Waldviertel; es ist zwar dieser Landstrich zu Lebzeiten Carl Hermanns aus dem Blickwinkel des Kunstmarketing wenig bedacht, was letztlich aber für den Künstler aufgrund seiner überaus starken Persönlichkeit und sozial integrierten Stellung wohl ein Vorteil ist. Für Hermann, der sich dem Granit verschreibt und damit in einem der modernen Plastik a priori nicht eigenen Werkstoff arbeitet, ist das Waldviertel als Landschaft eine Fundgrube, die er entdeckt und aufspürt.

Mei Waldviertl

Carl Hermann

Wo’s Rehböckl springt und s’Schüldhahndl bolzt

und da Jaga si gern zan Wind zuwiwolzt.

Wo de Sensn klingan übern stoanan Bodn,

dos Pfluagradl jantscht, hört’s da Herrgott gor obn.

I bin aus’n Waldviertl, und auf des bin i stolz,

is ja mei Hoamat rundumadum Holz.

 

Wo de Holzhocka jodln, da Saglabua sing,

dass es weit übas Land über d’Grenz umi klingt.

Wo de Dirndln tanzen, wia a Spinnradl schwind,

und hoamli muaßt lieabn, weil da Vata sunst kimmt.

Jo, dos is mei Waldviertl, durt bin i dahoam,

i bleib a in Waldviertl, wann i amol bin gstorbm.

Carl Hermann - Kriegerdenkmal Waidhofen

Carl Hermann ist bloß teilweise aktiv, was Ausstellungen anlangt, er will sich nicht wirklich Zeit dafür nehmen. Stark vertreten sind Werke in Granit auf öffentlichen Plätzen (etwa Kriegerdenkmal, Gmünd; Kriegerdenkmal Waidhofen/Thaya; Heidemännlein Gmünd; Sämann, Waidhofen/Thaya; Madonna mit Kind, Groißenbrunn; uam.). Hinzu kommen freilich Hermanns Werke/Plastiken im Naturpark Blockheide und insbesondere entlang/am Nord-Süd-Weitwanderweg 05. Nicht außer Acht zu lassen ist in diesem Zusammenhang die Anzahl jener Plastiken/Entwürfe, die sich in Privatbesitz befinden.

Carl Hermann

Die Präsenz an Arbeiten des Bildhauers auf öffentlichen Plätzen macht sein Werk – teilweise – auch Jahre nach seinem Tod zugänglich. Von einer solchen ausdrucksstarken Vielfalt verborgen, bleibt beinahe Hermanns zeichnerisches Werk, das sein Schaffen im Hintergrund begleitet. Mit starkem Duktus stellt der Künstler den Gegenstand in den Raum und behandelt dabei als Themen den männlichen Akt, den bäuerlich/handwerklichen Genre sowie sakrale Motive; ausdrucksstark greift Hermann reduktionistische Ansätze auf, reicht aber atmosphärisch an die Kompositionen seiner Plastiken nicht heran.

 

Die Carl Hermann eigene, insgesamt stringente Ausdruckssprache findet sich in seinem Gesamtwerk; sie mag mangels Beschäftigung damit aus dem Bewusstsein – im Vergleich zur Anerkennung und Bekanntheit zu Lebzeiten – gedrängt worden sein. Seine Sprache bleibt die der Granitplastik und Landschaftskultur.

Carl Hermann