Unbenanntes Dokument

Junger Bildhauer


Carl Hermann unterhält Kontakt zu Dr. Hans Kloepfer, Arzt in Eibiswald, der ihm durch seine heimatverbundenen Gedichte auffällt. Für den jungen Künstler, aber auch später in seinem Leben, hat der steirische Mundartdichter aus literarischer Sicht einen besonderen Stellenwert; Hermann lässt dessen nationale Einstellung beiseite, er schätzt vor allem, dass Kloepfer Liebe, Leid, Glück und Not sowie Arbeit, Denken und Handeln der bäuerlichen Bevölkerung seiner engeren steirischen Heimat in Gedichten treffend niederschreibt. Der Bildhauer portraitiert Kloepfer (Gips bronziert, Museum Eibiswald) und schafft schließlich eine lebensgroße Plastik aus Stein („Da gfongane Russ“, St. Kathrin in der Wiel), mit der er ein Werk des steirischen Mundartdichters aufgreift („Da Russ“; Kloepfer behandelt das Thema eines im 1. Weltkrieg gefangen genommenen Russischen Soldaten, der in der südlichen Steiermark, Wiel, als Landarbeiter zugeteilt ist).

Carl Hermann - Russ Ausschnitt

Da Russ

A gfongana Russ, a großmächtana Monn,
ban Zenz in der Wial kriagg an wehtandn Zohn,
und er jammert und haust, und da Dokta so weit,
und doe Oarbat so gnedi und koans hot just Zeit,
dass dan obi kunnt füahrn bis auf Eibiswold nein,
wall alloan derft an net, muaß a Wochta mit sein.

Zlest denkt si die Bäurin, i kunnt’s jo probirn,
sull mei Hiaserl den Russn zan Zähntreißn füahrn,
(Dos is ihr jüngstes Büabl, grod sechjahri heut,
roatgwanglt, kloanwunzi, oba witzi und gscheit!)
Und sie ruaftn eam vun Schoufholtn hoam vun da Holt:
„Steck die Schuach an, muaßt obi zan Dokta z’Eibiswold!
Und i liaß’n schöa grüaßn und i bitt’n holt recht,
ob a denn unsan Russn net zähntreißn möcht.
Und nimmst’s Rucksackl mit, bringst  von Krommar an Tee
und a schmiedani Sterzpfonn und an Packlkaffe
und um drei Kreiza Zwirn und um zwölf Kreiza Zimbt
und froggst eini ban Firba, wo da Blaudruck bold kimmbt.“

Af Eibiswold braucht ma vier Stund. Jo und duat
sogg die Köchin vun Dokta: „Scha, grod is a fuat!“
Schofft da Hiaserl in Russn: „Do setz die hiaz nein

ins Vorhaus und woartest, i kaf dawal ein!“

 

Und da Ruß sitzt schoa do und sogt „dobre“ und locht
und dawal hot da Hiaserl seini Weg olli gmocht.
Wia’s firti san, gengan´s mitanona schöa stad
wieda hoamzu. Do hebbs an zan schneibn und waht,
dass ma völli die Hand vor die Augn neama siacht.
Und da Hiaserl wird müad, wal da Rucksack so ziacht.
Den nimmb da Russ üba. Und’s schneibb wia net gscheit,
und longsom wird’s finsta und da Weg noch so weit!

Da Hiaserl muaß olli Biat rastn in Schnee,
möcht am liabstn gern schlofn und die Füaß tatn eahm weh.
Do nimmt da Russ’s Büaberl gonz still aufn Oarm,
hüllt’n Montl guat üba und troggn schöa woarm
üban Boch, durchn Wold, der mit Blochhulz varramt,
und der Wochta hot gschlofn und wunnaschön tramt
vun da Regerl ihr Goaß und vun Christkindlbam
und woun wul da Vota vun Kriag wieda kam;
und gspürt’s net, wann dea Russ ehm oft hoamli hot druckt,
und wird richti erst munta, wia`s Torgotta zuckt.
Duat stellt er’n schöa gschmeidi af d’ Füaß vorn Haus
(denn wia schauat da Hiaserl ols Wochta sist aus!)
Und sie löffln a Suppm und die Muatta woar froh,
und da Russ krallt gemüatli in Stodl intas Stroh,
und is bacherlwoarm glegn, dawal der Schneewind hersolzt,
- und hot tramt, doss sei Büabl in Russland eahm holst.

Im übrigen wird der südlichste Wegabschnitt des Nord-Süd-Weitwanderweges 05 – der Schauplatz der Geschichte – dem Dichter gewidmet („Dr.-Hans-Kloepfer-Weg“). Aus der Begegnung mit Kloepfer nimmt Hermann seine Zuneigung zu Sprache und Wort mit; im Laufe der Jahre reift der Anstoß, er wird Gedichte und Liedtexte schreiben („Mei Waldviertel“, vertont von Leo Lehner; „Ave Maria“, „Der Fluss“, ...).

Carl Hermann