Unbenanntes Dokument

Nord-Süd-Weitwanderweg 05


In die 60er-Jahre fällt eine große, das Schaffen Carl Hermanns prägende Umsetzung einer Idee; nachdem er in den Jahren seit 1959 an der Schaffung des Nordwaldkammweges beteiligt ist und später den Kamptalseenweg anregt, entwickelt er im Sommer 1967, als er im Freien an einer Granitplastik arbeitet, einen weiteren Gedanken – er soll schließlich sein großer Wurf werden und sein Lebenswerk in landschaftsgestalterischer, kulturhistorischer Sicht stark prägen.

Da die Sonne unbarmherzig brennt, ist der Künstler zu einer Rast im Schatten gezwungen. Wieder einmal, wie des öfteren, sind seine Gedanken daheim in seiner steirischen Heimat – und gehen mit ihm weiter. Er denkt, er müsse zu Fuß von seiner nunmehrigen Gmünder Heimat nach Eibiswald, seinem Geburtsort gehen. Wie? Über Zwettl, Ottenschlag, Spitz, Mariazell, den Hochschwab – „da kunnst a unten umi gehen“ –, Leoben und die Pack. In diesem Fall, so erkennt Carl Hermann, würde er von Norden nach Süden, also einen Nord-Süd-Weg gehen.

Carl Hermann

Zunächst scheint ihm diese Idee aussichtslos, trotz allem beginnt er aber, sich intensiv mit dem Gedanken zu beschäftigen, Karten zu studieren und kann letztlich nach dreijähriger Arbeit im Rahmen des Österreichischen Alpenvereins – von dessen Seite ist ihm Dr. Hans Kinzl Stütze und Mentor – die Sache realisieren. Unter tatkräftiger Mitarbeit vieler Helfer wird am 25.09.1970 der Nord-Süd-Weitwanderweg 05 der Öffentlichkeit übergeben.

Es ist aber nicht bloß die „handwerkliche“ Tätigkeit Carl Hermanns, mit der er zur Entstehung des Nord-Süd-Weitwanderweges 05 beiträgt; vielmehr reiht er Werke –wie Perlen an einer Schnur – aneinander und platziert seine Kunst entlang des Nord-Süd-Weitwanderweges 05, darunter den kubusartigen Weitwanderstein mit Edelweiß am Nebelstein, einen Granitquader am Erlaufsee, einen Naturstein in Bad Radkersburg, das Fernwanderwegekreuz am Seebergsattel und die Pauluskapelle mit der überlebensgroßen Plastik des Heiligen Paulus auf der Weinebene – sie soll schließlich die letzte Ruhestätte Carl Hermanns werden. Daneben freilich steht praktische Tagesarbeit zur Bewältigung; er designt und entwirft Wanderabzeichen, darunter jenes für die Mariazellerwege und das Nord-Süd-Wegabzeichen.

Carl Hermann